Ruehrcast Folge 10 – Die drei Fragezeichen und die Spur des queeren Elements (März 2018)

In einer neuen Folge von Ruehrcast folgt Mara einer heißen Spur: Und zwar der heißen Spur nach dem queeren Element in der deutschen Hörspiel-Serie “Die drei Fragezeichen”. Nach einigen einführenden Worten über die Serie, folgt Mara Nuancen von Queerness, konkreter Queerness und kommt zu überraschenden und weniger überraschenden Erkenntnissen. Spannend, investigativ und hörenswert – Zumindest diese Folge von Ruehrcast. Alles andere würde ja spoilern. 8)

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Shownotes:

Detailiert erwähnt werden folgende Folgen:
„Der Super-Papagei“, 001. (Link zum ???-Wiki)
„Stimmen aus dem Nichts“, 076. (Link zum ???-Wiki)
„Das Geisterschiff“, 093. (Link zum ???-Wiki)
„Das Hexenhandy“, 101. (Link zum ???-Wiki)
„Der Mann ohne Kopf“, 106. (Link zum ???-Wiki)

Weitere Shownotes:
Jelena Charkova (???-Wiki-Link)
Amanda Lear (engl. Wikipedia-Link)
Queer Baiting (engl. Wikipedia-Link)
Robert Arthur Jr. (deutscher Wikipedia-Link)
Die drei Fragezeichen (deutscher Wikipedia-Link)

Erwähnung André Marx zu möglichem Schwulsein von Jeffrey: http://diedreifragezeichen.wikia.com/wiki/Jeffrey_Palmer

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2 Gedanken zu „Ruehrcast Folge 10 – Die drei Fragezeichen und die Spur des queeren Elements (März 2018)“

  1. Moin!
    Also vorweg: Den Podcast finde ich sehr interessant, da mich das Thema auch sehr interessiert. Ich bin ein ziemlich großer Fan der drei ???, allerdings vor allem der Bücher. Wie bei so gut wie allen hat das auch bei mir mit den Hörspielen angefangen, aber die meisten nerven mich da mittlerweile. Ich kenne allerdings nur die ersten 130 Bücher/Folgen, danach nur noch sehr vereinzelt. Auf queere Inhalte habe ich dabei auch hin und wieder geachtet und möchte dir da gern meine Meinung sagen bzw. so ein bisschen Feedback zu deinem Podcast geben.
    Wichtig noch: Obwohl ich mich oft nur auf die Bücher beziehen kann, ist die Nummerierung zum besseren Nachvollziehen die der Hörspiele.
    Zuerst ist es meiner Meinung nach unmöglich, über die Serie als ganzes zu urteilen. Gerade was queere Inhalte betrifft, unterscheiden sich vor allem die US-amerikanischen Folgen von den deutschsprachigen. In Amerika haben nach Robert Arthurs Tod verschiedene Autoren die Serie weitergeschrieben. Das wollte der Verlag Random House die Leser*innen zumindest glauben lassen, denn tatsächlich wurde die Reihe zunächst von William Arden (bürgerlich Dennis Lynds) und Mary Virginia Carey, also einer Autorin, weitergeführt. Mary Virginia Carey wurde es jedoch von Seiten des Verlages nicht erlaubt, unter ihrem vollen Namen zu veröffentlichen, da man es für schädlich hielt, wenn herauskäme, dass eine Frau die Bücher über die drei ??? schrieb. Sie musste daher als M. V. Carey veröffentlichen. Ob es Gayle Lynds, die einige Bücher für die Serie schrieb, etwa 10 Jahre später genauso ging, weiß ich nicht sicher, aber ich vermute es. Die Autorin schrieb unter dem Pseudonym G. H. Stone. Erst mit Megan Stine, die zusammen mit ihrem Mann H. William vier Bücher zur Reihe schrieb, war erstmals offen eine Autorin für drei ???-Geschichten (mit)verantwortlich. In den späten 80ern hat die Serie dann leider einen krassen Wandel erfahren. Die Serie hieß fortan “Crimebusters”, die drei ??? wurden ein paar Jahre älter und nahmen leider ausschließlich stereotypisch maskuline Interessen an. Bob wurde zum Macho und Casanova, Peter interessiert sich für schnelle Autos. In dieser Zeit ist auch das Herumreiten auf Justus’ Übergewicht leider sehr schlimm, es wird ständig erwähnt und er macht die absurdesten Diäten. Insgesamt eine grausig schlechte Ära, in der die drei echt unsympathisch sind und die aus queerer und feministischer Sicht eindeutig die schlimmste ist. Weibliche Charaktere kommen hier wirklich kaum vor, mit Ausnahme der drei Freundinnen, die aber dermaßen dünn charakterisiert sind, dass sie nur nerven und – noch schlimmer – als zickig, eifersüchtig und überdramatisierend dargestellt werden. Queere Inhalte finden sich an keiner einzigen Stelle. Bei den Hörspielen sind übrigens alle Folgen von 43/und der höllische Werwolf bis 56/Angriff der Computer-Viren nach Crimebusters-Buchvorlagen enstanden.
    Als dann in den 1990ern die Serie in den USA abgesetzt wurde und die Buchreihe von der österreichischen Autorin Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer für den KOSMOS-Verlag fortgeführt wurde, änderte sich zum Glück etwas. Lys, Liz und Kelly bekamen mehr Charakter und waren den drei Detektiven ebenbürtig (zumindest Liz und Kelly, Bobs Freundin Elizabeth (Liz) kommt schon da kaum noch vor). Henkel-Waidhofer brachte auch glücklicherweise wieder starke Frauenfiguren ins Spiel. Lys, Liz und Kelly wurden von ihr ja erst zu welchen gemacht, dazu gesellten sich bspw. die Journalistinnen Ruth und Alicia Hancock in 059/Gifitiges Wasser. Besonders erwähnen aus der Henkel-Waidhofer-Ära muss man 070/Schüsse aus dem Dunkel, die vermutlich queerste drei ???-Folge. Sally Sampson und Dr. Harris (habe ihren Vornamen leider gerade vergessen) sind offen lesbisch und ihre (gescheiterte) Beziehung steht am Ende des Buches sogar ziemlich im Mittelpunkt. Zudem erwähnt Alan, ein ehemaliger Schulfreund der drei ???, dass er den Modeschöpfer Michele Trentini “liebe”, was ein weiterer Hinweis zumindest auf Homosexualität sein könnte.
    Zu den Rassismusvorwürfen gegen die Serie findet sich von Henkel-Waidhofer der Fall 072/Dreckiger Deal als Gegenstück. In ungewöhnlich scharfem Ton wird der Umgang mit Afroamerikaner*innen hier kritisiert. Die Rechtsanwältin Hester Dalton, die den vermeintlichen Drogendealer Malcolm King verteidigt, sagt sinngemäß, wie unvorstellbar es sei, welchen Ungerechtigkeiten in Bezug auf Gerichtsverfahren PoC in den USA ausgesetzt seien.
    Es ist nicht möglich, die Serie als Ganzes als normativ und rassistisch zu bezeichnen. Ja, bei den amerikanischen Fällen finden sich einige schlimme Sachen. Allerdings hat vor allem Frau Henkel-Waidhofer sehr positiv anzumerkende Wendungen in die Serie gebracht.
    Nach Henkel-Waidhofers Ausstieg aus der Serie, wurde sie von den deutschen Autoren André Marx, André Minninger und Ben Nevis weitergeführt. Über Ben Nevis kann ich hier nicht so viel schreiben, da ich nur sehr wenige seiner Bücher kenne, weil ich ihn für einen schlechten Autoren halte. Zu den anderen beiden kann man ein bisschen was sagen, was Queerness betrifft: Marx cool, Minninger uncool – um es ganz kurz zu fassen. Minninger hast du ja schon mit seinem “Die drei ??? sind weder hetero, noch homo, noch bi” entlarvt. Diese Aussage fand ich auch unglaublich dumm, da sie alle schon Freundinnen hatten. Auch bei 101/Hexen-Handy hast du gut aufgezeigt, wie sehr er ins Fettnäpfchen getreten ist und es zwar gut ist, eine trans-Person vorkommen zu lassen, er aber mit Justus’ Misgendern und dem Fremdouting niemandem einen Gefallen getan hat – im Gegenteil. Das hätte man deutlich anders angehen müssen und die Bezeichnung “trans” hätte, wie du auch sagtest, unbedingt fallen müssen. Das wäre konkreter und birgt nicht die Gefahr, verletzende & falsche Aussagen wie die mit dem “als Mann geboren” zu treffen. (Wobei mir gerade auffällt: Anders als durch ein Outing durch eine andere Person gäbe es gar keine Möglichkeit, Moniques trans-Identität anzusprechen, oder? Für die Geschichte an sich ist es kein bisschen wichtig, deshalb ist es eigentlich auch sehr unwahrscheinlich, dass sich jemand selbst outet. Das käme dann ein bisschen wie in 17/und die gefährliche Erbschaft, als Nelly Town sich mit “Ich bin Nelly Town. Mein Mann lebt nicht mehr” vorstellt. 😉 ). Darüber hinaus muss man glaube ich auch berücksichtigen, dass die drei ???-Geschichten zum einen sehr kurz und zum anderen auch dementsprechend oberflächlich sind. Es könnte sogar sein, dass es noch mehr LGBT*-Charaktere gab, man das als Hörer*in / Leser*in aber nicht erfährt, weil es für die Geschichte keine Rolle spielt. Ich würde sogar behaupten, dass es in vielleicht 90% der Fälle nur durch a) ein Fremdouting oder b) in gleichgeschlechtlichen oder meinetwegen polygamen Beziehungen lebende Personen geht.
    Sehr positiv aufgefallen ist mir dagegen auch im Buch 099/Rufmord Justus’ Frage, ob Kevin Anderson “eine Freundin oder einen Freund” habe, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, aber die sind ja genauso wichtig. Auch Amanda Lear als Sprecherin ist sehr passend gewählt, wie du schon sagtest. Ansonsten kann ich über André Minninger nicht so viel Positives sagen. Allein, dass er Stefan Wolfs tatsächlich rassistische (und da kann man es tatsächlich über die gesamte Serie sagen 😉 ) TKKG-Reihe fortführt, naja.
    Positives kann ich dagegen über André Marx sagen. Der ist übrigens KEIN HÖRSPIELPRODUZENT, sondern nur Buchautor!! ;D Minninger ist tatsächlich beides.
    Marx ist auch Schöpfer der Figur Jelena. Das meiste relevante zu der LGBT*-Thematik hat er allerdings in Interviews, vor allem der Fragenbox auf rocky-beach.com, und nicht in seinen Büchern verpackt. Die Äußerung zur Jeffreys Homosexualität findest du übrigens hier: http://www.rocky-beach.com/forum/box/box_alt02.html (Frage 24).
    Marx sprach in der Fragenbox auch mal über Steine, die der Verlag Autor*innen in den Weg legt, die als zu krass den Charakter der Serie ändernd empfundene Ideen einbringen. Marx schrieb, er würde Peter, wenn er dürfte, sofort schwul “machen”. Eine Folge mit Jeffreys Coming-Out gab es nach meiner Kenntnis aber leider bis heute nicht, liegt aber wahrscheinlich an dem Problem, das ich schon angesprochen habe (Sexualität spielt seltenst eine Rolle).
    Ich glaube, das war’s zu Marx auch schon. Zu den anderen Autor*innen, die neben Marx, Minninger und Nevis aktuell schreiben, kann ich nicht so viel sagen. Meines Wissens gibt es da auch nichts über queere Inhalte zu sagen. Deshalb noch ein paar Hinweise, die mir aufgefallen sind bei deinem Podcast bzw. weiterführende Links, die auch mit dem Thema zu tun haben:
    Im Super-Papagei schreit nicht der Papagei, sondern Mr Fentriss, also ein Mann 😀
    Oliver Rohrbeck, Sprecher von Justus Jonas, hat hier in einem Interview mit Jan Böhmermann auch mal was über die mögliche Homosexualität von Justus gesagt: https://www.youtube.com/watch?v=gDo6FBI_kNs (Bei 07:12).
    In der Drei ???-Community werden auch Peter und Bob heftig geshippt, zum Beispiel vom VPT (vpt-show.de, falls du das nicht kennst), das bei seinen Liveshows regelmäßig romantsiche Szenen zwischen den beiden einbaut, und auch von den drei Sprechern ist das “Fanshipping” adaptiert worden, dazu dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=ApF5pj2–JY mit Kuss am Ende 😀

    So, ich hoffe, dass ich alles erwähnt habe, was ich wollte. 😀
    Fazit:
    1) Die Hörspiele als Grundlage der Analyse zu nehmen finde ich problematisch, da sie stark gekürzt sind, alle Folgen auf einen Haufen werfen und nicht oder nur sehr wenig zwischen Autor*in, Erscheinungsjahr und Erscheinungsland differenzieren.
    2) Fehlende Differenzierung finde ich teilweise auch an deinem Podcast problematisch. Einige Sachen analysierst du sehr gut und ich stimme dir voll zu, bspw. zum Fall Monique Carrera. Aber wenn du die Serie als rassistisch und normativ bezeichnest, trifft das auf einige Folgen zwar zu, wird aber Leuten wie Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer und André Marx gegenüber sehr ungerecht.

    Zum Schluss noch ein kleines “Outing” von mir: Ich liebäugele selbst mit dem Gedanken, für die drei ??? zu schreiben. Ideen habe ich sehr viele und bin ziemlich gut drin in der Materie. Ich glaube auch, dass ich kein übler Schriftsteller bin, aber naja, das wird sich zeigen. Jedenfalls: Sollte das mal was werden, würde ich auch sehr gern den ein oder anderen queeren Inhalt einfließen lassen. Ich finde, dass das wichtig ist und der Serie auch gut tut. Vielleicht hast du da ja Tipps? Was für queere Themen würdest du gern in einer Drei ???-Geschichte lesen bzw. hören, damit sie für dich zu einer moderneren & gerechteren Serie wird und nicht mehr normativ und rassistisch ist (wobei man die Existenz der rassistischen Elemente in alten Folgen natürlich nicht rückgängig machen kann)?

    So, das wär’s von mir. 😀
    Ganz liebe Grüße,
    Jan

    1. Holla die Waldfee, Jan,

      dein Kommentar ist ja reichlich ausführlich. (Und splaint so ein wenig. Einem feministischen Podcast. *hüstel*)

      Während du mit der positiveren Entwicklung unter einigen AutorInnen sicher recht hast, negiert das ja nicht, dass die Serie bis heute _strukturelle_ Rassismen reproduziert. Das mag für weiße Hörer_innen nicht so tragisch sein, die sich einfach nur darüber freuen, dass nicht mehr ganz so ein Schmarrn erzählt wird, wie beispielsweise bei TKKG (ugh….), denn die sind ja nicht negativ von Rassismus betroffen und können großmütig darüber hinweg sehen.
      Darauf hinzuweisen finde ich aber auch wichtig. Einerseits, weil es auch Verlagsentscheidungen kritisiert und zeigt, wo der Verlag steht. Andererseits damit niemand spontan von rassistischen Aussagen überrascht wird. Auch im Jahr 2017 bringt ??? noch Kram wie das I-Wort für Native Americans zu benutzen (Sonderfolge: “das kalte Auge”).

      Zu der Schwierigkeit, queeren Content unterzujubeln:
      Es muss ja nicht unbedingt “Justus Jonas und die Bukkake Party” sein, oder “die drei ??? in der Gaybar” aber eine queerere Location oder nicht-heteronormative Nebencharas würde schon was ausmachen.

      Beispielsweise bei einem Standard-Setting wie dem Ehepaar, dem X abhanden gekommen ist, oder das seinen Sohn vermisst, von Gespenstern heimgesucht wird. Da könnte das Pärchen eben mal aus zwei/drei/vier… Männern oder Frauen oder Nichtbinären bestehen.
      Wenn irgendwo ein Anschlag verübt/etwas gestohlen wurde: dann war der Ort eben ein queerer. Bsp: Ein Anschlag wurde auf ein queeres Jugendzentrum verübt, wer steckt dahinter, Nazis, ChristInnen oder Immobilienhaie? Da wäre das ganze sogar wichtiger Plot-Teil und die (nicht bösen) Nebencharas automatisch Queers.
      Mehr Beispiele für Nebencharas: ein_e Verdächtig_er bricht ein Gespräch mit den ??? brüsk ab, weil si_er angeblich ein Date hat und nicht zu spät kommen will (ein Date mit einer Person des gleichen Geschlechts).

      Bei trans* Leuten ist es tatsächlich etwas tricky, da würde es sich lohnen, auf irgendwas von früher Bezug zu nehmen, aber die Person nicht zu deadnamen. Beiläufigkeit (und trotzdem Plotrelevanz) sind das Stichwort.
      Bspw: Die Zeitzeugin ist eine trans* Frau und war früher auf einem Jungeninternat (da reicht es schon zu sagen “ja, da war ich früher, ich bin trans). Der trans* Mann war Zeuge eines Zwischenfalls im Krankenhaus, weil er wegen einer OP auch auf der Gynäkologie lag.
      Eine Person hat keinen Kontakt mehr zu den Eltern, die in irgendwas verwickelt sind, weil die nicht drauf klar kamen, dass sier trans* ist und sihn raus geworfen haben.
      Eine Person erzählt sonst gar nichts über trans*, aber korrigiert Peter, als er sihn falsch anspricht, dass sihr nicht “Herr/Frau” Z ist, sondern einfach Vorname Z.

      (Meine Favoriten wären die letzten zwei Optionen in Sachen trans*, weil weniger ausgelutscht und weniger Bezug auf OPs und anderen Medizinkram.)

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